Leistungskonzept

Einleitung

Dem Leistungskonzept unserer Schule liegt eine intensive Arbeit im Rahmen von LehrerInnen-Konferenzen zugrunde.

Richtlinien und Lehrpläne für die Grundschule in Nordrhein-Westfalen legen die Anforderungen für das Lernen in der Grundschule fest. Diese Anforderungen sind gleichzeitig Bezugspunkt für die gezielte Förderung der Schülerinnen und Schüler sowie für die Feststellung der Lernergebnisse. Die Lehrkräfte sind verpflichtet, den Schülerinnen und Schülern durch differenzierenden Unterricht die jeweilige individuelle Förderung zukommen zu lassen, welche die Basis für das weitere Lernen darstellt. Die Lehrpläne der einzelnen Fächer weisen aus, welche fachbezogenen Kompetenzen zum Ende der Grundschulzeit von den Schülerinnen und Schülern erworben sein sollen. Aufgabe der Lehrkräfte ist es, lernschwächere Schülerinnen und Schüler möglichst weit an diese Kompetenzen heranzuführen und lernstärkeren Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, diese zu überschreiten.

Weitere Informationen zu den Kompetenzerwartungen in einzelnen Fächern und Hinweise zur Leistungsbewertung entnehmen Sie bitte der „Elterninformation“.

Diagnose-Fahrplan / Förderung

Gedanken zur Notengebung

Das Kollegium der Nikolaus-Schule fühlt sich dem pädagogischen Leistungsbegriff, den die Richtlinien und Lehrpläne des Landes Nordrhein-Westfalen vorgeben, verpflichtet. Die individuelle Lernentwicklung steht im Mittelpunkt. Leistungen sind daher nicht nur Ergebnisse, sondern auch Anstrengungen und Lernfortschritte. Wir wollen Kindern Sicherheit geben und ihnen das Rückgrat stärken, die natürliche Lernfreude, Neugier und Motivation aufbauen und erhalten, damit sie ihre Kompetenzen in allen Bereichen bestmöglich weiterentwickeln.

In den letzten Jahren wurde viel geforscht und die vorliegenden Studienergebnisse um
Herrn Prof. Dr. John Hattie und andere verdeutlichen noch einmal, wie wichtig eine inhaltlich verständliche Rückmeldung (Feedback) zu den Arbeitsergebnissen für den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler ist.

Vor zwei Jahren haben wir als Kollegium Frau Prof. Dr. Sylvia Beutel (Universität Dortmund) zu unserer zweitägigen Fortbildung nach Kronenburg eingeladen, um uns mit geeigneten Formen der Leistungsrückmeldung und Leistungsbewertung zu befassen. Sie hat uns noch einmal ermutigt, so lange es geht auf Noten zu verzichten und stattdessen den Fokus auf die Kompetenzen, die die Kinder erreichen sollen, zu legen.

Ebenso haben wir in der Gesprächsrunde im Mai 2024 mit Ihnen als Eltern zum Thema „Rückmeldung zum Lernstand“ eindeutig entnehmen können, dass diese individuellen Rückmeldungen, die unter Arbeitsergebnissen Ihrer Kinder stehen, auch Ihnen das Wichtigste sind. Das hat uns in unseren Überlegungen noch einmal bestärkt.

Ganz generell bergen Noten, vor allem schlechte, die Gefahr, demotivierend zu wirken. Je jünger die Benoteten sind, desto schwerwiegender können die Folgen sein. Das Selbstbewusstsein kann empfindlich verletzt werden.

Auf der anderen Seite können gute Noten dazu führen, dass sich leicht lernende Kinder darauf „ausruhen“. Dies kann zu Minderleistungen in der Zukunft führen.

Kinder, die regelmäßig Ziffernnoten erhalten, konzentrieren sich häufig mehr darauf, eine gute Note zu erzielen, als darauf, den Lernstoff wirklich zu verstehen (Dweck, 2006). Ein zu starker Fokus auf Noten kann dazu führen, dass Kinder Lernchancen ungenutzt lassen, weil sie Angst haben, Fehler zu machen.

Durch eine verzögerte Einführung der Noten werden die Kinder im Entdecken ihrer individuellen (Wissens-)Welt nicht behindert. Das Gegenteil ist der Fall: Der Blick wird nicht auf ein „Besser-oder-Schlechter-als“ gelenkt, sondern es bleiben Lerninhalte und -wege im Mittelpunkt. Erfolgserlebnisse sind – gerade im Kindesalter – die Basis für ein lebenslanges und angstfreies Lernen.

Daher werden an der Nikolaus-Schule die Leistungen bis zum Abschluss dritten Schuljahres nicht mit Ziffernnoten beurteilt. Stattdessen werden die Kinder regelmäßig mit ausführlichen Zeugnissen in ihrer individuellen Persönlichkeits- und ihrer Leistungs- und Lernentwicklung beurteilt.

Eine differenzierte Rückmeldung bekommen die Eltern und Kinder in Tests oder Lernzielkontrollen durch die Punktzahl und den Kommentar darunter. Punktzahlen werden erst durch eine weitergehende Kommentierung seitens der Lehrerkraft aussagekräftig. Denn genau so wenig wie in einer Note ist in der reinen Punktzahl nichts über Entwicklungen gesagt. Letztere sind ohne Zweifel die wichtigste Information, um die weiteren Schritte zum Wohle des einzelnen Kindes zu bestimmen. Dieses geschieht im Austausch mit Eltern, etwa durch regelmäßige Gesprächstermine und Beratung.

Dieses Konzept steuert zugleich dem Dilemma entgegen, dass Noten weder objektiv noch vergleichbar sind. Auch aus eigener Erfahrung erinnert sich wohl jede/r, dass manchmal ein Schul-, Klassen- oder auch „nur“ Lehrerwechsel das Notenbild erheblich verändern kann.

Oft wird angenommen, dass Noten eine neutrale und gerechte Beurteilung darstellen. Tatsächlich beeinflussen jedoch viele Faktoren die Bewertung: Die Tagesform des Kindes, der Schwierigkeitsgrad der gestellten Aufgaben, der Vergleich innerhalb einer Klasse oder sogar unbewusste Erwartungen der Lehrkraft (Klusmann et al., 2016). Studien zeigen, dass für dieselbe Leistung von verschiedenen Lehrkräften unterschiedliche Noten vergeben werden können. Ein ausführliches Feedback kann hingegen differenzierter und gerechter sein.

Noten unter Lernzielkontrollen sind irreführend. Häufig wird von Eltern und Kindern erwartet, dass diese einzelnen Noten in ihrer Summe die Zeugnisnote ergeben. Dem ist aber nicht so. In die Zeugnisnote fließen noch weitere Leistungen der Kinder ein, so dass es hier immer wieder zu Missverständnissen kommt.

Eine Lernzielkontrolle ist immer nur eine Momentaufnahme, ein Ausschnitt aus dem Leistungsspektrum. Darüber hinaus gibt es in allen Fächern prozessorientierte Kompetenzen, Unterrichtsgespräche über die Lerngegenstände, Arbeitskontinuität, Auffassungsgabe, Erinnerungsleistungen, … Dass viele weiterführende Schulen für die Auswahl ihrer zukünftigen Schüler:innen oftmals auf zwei Notenzeugnisse Wert legen, kommt vor. Damit unseren Schulabgänger:innen hierdurch keine Nachteile entstehen, enthalten die Zeugnisse am Ende des dritten Schuljahres neben kompetenzorientierten ausformulierten Rückmeldungen Noten für jedes Fach.

Distanzunterricht und Notbetreung